top of page

Jeder Zug zählt — Schach als globales Werkzeug für soziale Veränderung

  • Autorenbild: André Vögtlin
    André Vögtlin
  • 3. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Was wäre, wenn eines der ältesten Spiele der Welt zu einem der wirkungsvollsten sozialen Werkzeuge unserer Zeit wird? Genau das vollzieht sich gerade — weltweit, in erstaunlicher Breite und mit wachsender wissenschaftlicher Fundierung.


2025 hat die FIDE, der internationale Schachverband, offiziell zum «Jahr des Sozialen Schachs» erklärt. Eine weltweite Recherche zeigt: Hinter diesem Titel steckt eine lebendige, überraschend diverse Bewegung.


André Vögtlin beim Schachspielen im Flüchtlingslager in Kakuma

Sechs Felder, auf denen Schach wirkt

Die sozialen Schachprojekte weltweit lassen sich in sechs Kategorien einteilen:


01 Schutz & Flucht:

Im Kakuma-Flüchtlingslager in Kenia lernen heute über 2300 Kinder und Jugendliche Schach — in einem Programm, das FIDE gemeinsam mit UNHCR und dem Lutherischen Weltbund aufgebaut hat. Das Modell expandiert in die Amerikas.


02 Strafvollzug:

Chess for Freedom ist längst kein Nischenprojekt mehr. Am Intercontinental Online Turnier für Inhaftierte 2024 spielten 115 Teams aus 51 Ländern. Nachweisliche Verhaltensverbesserungen nach sechs Monaten Teilnahme.


André Vögtlin beim Schachspielen im Gefängnis in Chicago


03 Bildung:

Chess in Slums Africa verteilt Schachsets in 30+ afrikanischen Ländern und will eine Million Kinder in marginalisierten Gemeinschaften erreichen. 132.000 Sets wurden bereits ausgegeben. 2026 folgt das FIDE-Jahr der Schacherziehung mit Schulprogrammen auf vier Kontinenten.


04 Kognitive Gesundheit:

Schach in Altersheimen reduziert das Demenzrisiko nachweislich um 9% (JAMA-Studie). In 19 Ländern gibt es spezifische Programme für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung. Und in Portugal begleitet Schach Frauen während der Krebstherapie.



05 Frauen & Mädchen:

Vom Girls Club in Kakuma bis zum weltweiten Queens Festival: Schach wird gezielt als Empowerment-Werkzeug eingesetzt — mit Women Grandmasters als Vorbilder und Trainerinnen.


06 Storytelling:

FIDE hat 2025 eine internationale Kurzfilm-Challenge lanciert («Every Move Counts»), um die menschlichen Geschichten hinter diesen Projekten sichtbar zu machen.



Die globale Landkarte

Soziale Schachprojekte existieren heute auf allen Kontinenten — mit unterschiedlichen

Schwerpunkten: Afrika als Wachstumsmarkt mit Fokus auf Bildungszugang, Nordamerika

mit Rehabilitation und Grenzgemeinschaften, Europa mit Gesundheits- und Alterspflege-

Programmen, Asien mit einem starken Schub durch die FIDE Global Conference in Indien

Anfang 2026.



Gemeinsam ist all diesen Projekten: Sie nutzen die einzigartige Eigenschaft des Schachs,

Menschen über Grenzen hinweg gleichberechtigt an einen Tisch zu bringen — unabhängig

von Sprache, Herkunft oder Status.



Was bedeutet das für die Schweiz?

Die Schweiz ist international gut vernetzt und hat mit ihrer Lage, ihren Institutionen und ihrer

Tradition in der humanitären Arbeit ideale Voraussetzungen, um lokale Brücken zu bauen:


Pilotprojekte in Altersheimen oder Integrationsprogrammen, die wissenschaftlich

begleitet und dokumentiert werden.


Corporate Partnerships, bei denen Unternehmen ihr CSR-Budget gezielt in

bewiesene Schach-Impact-Programme investieren.


Evidence-based Evaluation, die den weltweiten Projekten die Messinstrumente gibt,

die viele noch vermissen.


«Chess is not just a game — it is a powerful tool for social change.», FIDE, Budapest 2024

Ausblick

Nach dem Jahr des Sozialen Schachs 2025 hat die FIDE 2026 dem Thema Bildung

gewidmet. Die Bewegung gewinnt an Reife: weg von einzelnen Leuchtturmprojekten, hin zu

skalierbaren, messbaren Impact-Frameworks. Das ist der Moment, in dem lokale Akteure

gefragt sind — um globale Impulse in konkrete Wirkung zu übersetzen.


Wer mehr über soziale Schachprojekte erfahren möchte oder Interesse an einer

Zusammenarbeit hat: www.voegtlin-partner.ch




 
 
 

Kommentare


bottom of page